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  • AutorenbildSandy

Burnout

Burnout.

Einige von euch wissen es bereits, andere haben es „nur“ vermutet und noch andere dachten sich unheimlich intelligente Geschichten über mich aus. So ist das nun mal, wenn man plötzlich einknickt und die Leute hinter die Fassade gucken können. Ich verstehe es ja sogar, dass man es mir nicht sofort glaubt, beziehungsweise zugemutet hat, dass hinter meinem Grinsen vielleicht auch was anderes steckt..

Mein innerer Monk

Ich selbst habe nicht bewusst der Welt vorgespielt, dass ich glücklich sei, ich habe auch nicht bewusst mein Innerstes verstutscht. Ich kannte und konnte nur nicht anders. Auch wenn ich jemand bin der offen und ehrlich über sich und seine Gedanken sprechen kann, hatte ich Schwierigkeiten mir meine Überbelastung einzugestehen. Mein innerer Monk hat mir dies eingebrockt. Er hindert mich daran, in dem er die „immer gut gelaunte Sandy“ öffentlich macht und nur herauskommt, wenn ich mich sicher fühle. Da mir mein innerer Monk aber achttrillionen Ängste einredet und somit mein blödes Gedanken Karussell anschubst, fühl ich mich selten sicher.

Ich habe euch in meinen letzten Artikeln bereits versucht mein Gedanken Karussell näher zu bringen und sprach auch schon von Hochsensibilität. Davor erzählte ich euch auch schon von meinem Ausraster, der das ganze Burnout-Rad erst ins laufen brachte. Heute geht es aber primär um den Burnout. Was er ist, wie ich ihn merkte und was ich unternahm, um daraus zu kommen.

Burnout

Mit Burnout-Syndrom oder Burn-out (engl. burn out ‚ausbrennen‘) wird ein Zustand bezeichnet, der von psychischer und physischer Erschöpfung gekennzeichnet ist. In medizinischen Lexika ist beschrieben, dass Burnout mit emotionaler Erschöpfung und dem Gefühl von Überforderung, reduzierter Leistungszufriedenheit und evtl. Depersonalisation infolge Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität einhergehe, und dass Burnout der Endzustand eines Prozesses von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung, Frustration und Apathie sei.

Burnout durch Hochsensibilität

Durch mein derzeitigen Burnout – was gewissermaßen eine Art Bestätigung für meine Hochsensibilität ist – empfinde ich all diese Gefühle und Gedanken, die ich im letzten Beitrag schon schrieb, wieder stärker. Dies hat mich im letzten Jahr so enorm belastet das es mich völlig aus der Bahn geworfen hat. Das letzte Jahr hatte es gefühlstechnisch in sich. Anfang des Jahres starb meine Oma und nach den Sommerferien wurde mein Großer eingeschult. Was für den einen normale Ereignisse sind, waren für mich – wie sich herausstellte – Auslöser. Auslöser die mein Gedankenkarrussel ölten und auf „volle Möhre“ stellte.

Das sich da etwas anbahnte fühlte ich bereits schon über ein halbes Jahr vorher. Im Job übernahm ich wieder mehr Pflichten, zu hause war ich allein für den Haushalt verantwortlich und den Kindern wollte ich einfach alle Wünsche ermöglichen. Doch wo bleibt da Zeit für MICH? Zeit zum runter kommen? Alle Gefühle die sich anstauten verdrängte ich, packte sie irgendwo in die hinterste Ecke und hoffte, dass sie sich selbst auflösen.

Auslöser

Doch dann kamen die Auslöser und plötzlich wurde diese dunkle Ecke beleuchtet. Dann der nächste und man konnte schon von weitem sehen das sich da etwas versteckt. Es brauchte nur noch ein minimini klitze kleines Bisschen mehr „Licht“ und dann würde es direkt vor mir liegen.

Dieses minimini bisschen kam an einem x-beliebigen Tag. Morgens suchte ich schon verzeifelt mein Portemonnaie, dann brachte ich den Großen in die Schule, da fiel ihm auf, dass wir seinen Turnbeutel vergessen hatten. Solch kleine Dinge bringen ihn völlig aus der Reihe und verunsichern ihn (und mich). Da er ja eh noch Probleme morgens beim Abgeben ( und Loslassen..)  hat, bin ich um jeden Tag froh, an dem ich ihn mit einem strahlenden Gesicht verabschieden kann.

Also brachte ich schnell noch die Lütte in die KiTa, die an diesem Tag deutlich anhänglicher war als sonst und fuhr dann nochmal schnell nach Hause, um den Turnbeutel zu holen. Ich schaffte es tatsächlich püktlich zur Sportstunde, gab den Beutel ab und stieg dann wieder in mein Auto. Als ich dann wieder los fuhr,  bog ich nicht wie sonst in die Straße die mich zur Arbeit führt. Ich fuhr, völlig automatisch, nach Hause. Das wurde mir erst zu hause richtig bewusst.

Ich parkte, schließ die Tür auf und ging rein.

Ich starrte in den Flur und Tränen flossen über meine Wangen. Als ich kurz auf die Uhr schaute, mehr zufällig, erinnerte es mich an meine Arbeit und ich rief dort an um mich krank zu melden. Das war befreiend. Alle Sachen erledigt. Kinder weggebracht, von der Arbeit abgemeldet und.. und jetzt?

Ein Gefühl der Verzweiflung, gemischt mit Überforderung und tiefer Trauer übermannte mich und ließ mich zu Boden gehen. Ich schrie und weinte über eine Stunde lang. Als ich mich wieder gefasst hatte stand für mich fest, dass ich zu meinem Hausarzt gehen muss. Das ich etwas ändern muss und das es so nicht weiter geht.

Ich kann nicht mehr!

Mein Hausarzt war erschrocken und mindestens genauso überrascht wie mein Umfeld. Und auch ich. Ja ich selbst war genauso überrascht. Hätte ich es nicht merken müssen? Wie kann ich es zulassen, das ich jetzt plötzlich einknicke? Bin ich doch nicht so stark wie ich dachte? Was passiert mit mir?

Ich besuchte zu dem Zeitpunkt schon seit einigen Wochen den abendlichen Kurs „Starke Eltern, starke Kinder“, da mir klar war, das irgendetwas schief läuft. Ich war/bin sehr angespannt, schnell motzig zu den Kids und fühle mich durch Nichtikeiten und den normalen Alltag völlig überfordert.

Am Anfang letzten Jahres hatte ich mich genau aus diesen Gründen schonmal neurologisch durchchecken lassen. Ich hatte oft Kopfschmerzen, Augenzucken und Ohrgeräusche. Doch körperlich war alles ok, die Neurologin damals riet mir aber bereits, besser auf mich zu achten. Mit dem typischen „Ja, ja!“ hakte ich das ab und ging etwas struckturierter in meinen Alltag. Das war super, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es meiner Oma deutlich schlechter ging. Das Eine führte zum Anderen und ganz allmählich atete das Ganze im seelischen Chaos aus. Es war natürlich alles nur eine Frage der Zeit, bis DIESER Moment kommt.

Wo bin ich?

Ich habe mich verloren und versuche nun wieder ICH zu werden. Zum Glück erhielt ich den Tipp mich an die Erziehungsberatungsstelle hier in Hamburg zu wenden. Dort arbeiten Psychotherapeuten und noch viele professionelle Helferlein mehr, die extra für uns Eltern da sind. Kostenlos, ohne jeglichen Krankenkassenaufwand oder sonst irgendwelchen lästigen Papierkram.

Ich raffte mich auf und ging zur Akut-Sprechstunde. Der Empfang war so herzlich und ich fühlte mich sofort verstanden! Kein schiefes Ansehen a la „da übertreibt sie aber“ oder „na die stellt sich ja vielleicht an!“. Nein, es wurde mir einfach nur zugehört. Aufmerksam und Aufrichtig. Ich muss gestehen das mir jetzt grade Tränen über die Wangen kullern, da ich mich sehr gut an dieses Gefühl erinnern kann. Diese Erleichterung nicht verurteilt zu werden, sondern einfach nur ernstgenommen zu werden, tat sooooooo unendlich gut.

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass unsere Stadt so etwas anbietet. Zumal mir damals die Neurologin bereits zur Psychotherapie-Stunden riet. Nur war nirgends ein Platz zeitnah frei!  Ich telefonierte damals vier Wochen lang sämtliche Psychotherapeuten in meiner Nähe ab, sprach unzähligen auf den AB, aber ich bekam nirgends einen Platz. Ja, vielleicht hätte es anders ausgesehen, hätte ich damals schon Hilfe bekommen. Vielleicht wäre es nicht zu dem Burnout gekommen.. Hätte, Hätte, wenn und aber. Tja, daher DANKE HAMBURG!

Psychotherapie

Als ich also bei dieser Akut-Sprechstunde meine Situation erzählte, wurde ich in die Kartei aufgenommen und ich sollte in wenigen Tagen einen Anruf erhalten, in dem mir dann mitgeteilt wird mit wem ich meine erste Sitzung haben werde. Dies wird nämlich nachdem Erstgespräch intern geklärt, da jeder so seine Spezialgebiete hat.

Neuer Termin, neue Person hieß es dann für mich. Wieder den Mut aufbringen und anfangen zu erzählen. Was auch mich anfangs Überwindung kostete, ist jetzt jedes mal ein Highlight in meiner Woche. Meine Therapeutin ist so unfassbar gut, dass ich wirklich aus jeder Sitzung gestärkt rausgehe.

Wie ist das denn so?

Wie das denn so sei, bei einer Therapeutin, werde ich oft gefragt. Die meisten gehen da immer noch sehr skeptisch ran und können sich nur wenig drunter vorstellen. Es ist halt wie bei einer Freundin, mit der man quatscht. Ich erzähle offen und ehrlich was mich stört, mir angst macht, womit ich nicht klar komm und was ich sonst so denke und sie, sie hört in erster Linie zu. Völlig unvoreingenommen, völlig objektiv. Meine Therapeutin sieht Dinge, die mir halt selbst nicht sofort auffallen. „Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht“ passt da grade hervorragend als „Erklärung“ zu.

Wo deine Freundin ihre Meinung rauspreschen würde, hält die Therapeutin inne. Sie achtet auf deine Körpersprache, auf das WAS du genau sagst und gibt dir Anreize, beziehungsweise nennt Situationen die man dann selbst hinterfragt. Man reflektiert sein Verhalten. Mir fällt dies zum Glück sehr leicht und deswegen kann ich wirklich nach jeder Sitzung ein Puzzleteil mehr mit nach hause nehmen, was mir hilft mein ICH zu verstehen. Natürlich geht es nicht jedem so, aber selbst wenn nur jedes zweite oder dritte mal ein Stückchen mehr „ICH“ mit nach hause genommen werden kann, ist es doch schon super!

Und ja, es gab und gibt auch Momente in den Gesprächen, die einen sehr.. sehr verletzten? / nachdenklich machen? Mir fällt da kaum eine gute Beschreibung ein. Das ein oder andere Mal ging ich traurig nach Hause. Nicht weil die Therapeutin mir dieses Gefühl gab, sonder vielmehr weil ich gewisse Verhaltensmuster sah und verstand und Gefühle von Damals hochkamen. Situation die ich schon längst dachte vergessen zu haben tauchten plötzlich wieder auf und du siehst sie dann mit einer Klarheit, die dir selbst Angst macht.

Denn vieles von meinem Verhalten habe ich zum Beispiel von meiner Mutter übernommen und wenn mir wieder einmal bewusst wird, was da – ungewollt – schief lief, denk ich mit Sorgen an meine Kinder. Ich hoffe das ich nicht solche „Fehler“ mache, die meine Kinder später so fühlen lassen.

Mir ist ganz wichtig, dass ich hier nicht meiner Mutter Schuld gebe, an meinem Burnout. Das mag grade vielleicht so rüber kommen. Das ist es nämlich nicht. Daran ist keiner Schuld, wenn überhaupt bin ich es, durch meine Hochsensibilität, mein innerer Monk. Der mich viel zu viel fühlen und denken lässt. Deswegen sehe ich die Hochsensibilität auch definitiv eher als Fluch an.

Warum genau und wie sich diese Hochsensibilität bei mir genauer äußert, versuch ich gerne im nächsten Post zu erläutern. Vorher wird es aber erstmal noch um die Hochsensibilität meines Sohnes gehen.

Ich danke euch für’s lesen und zuhören. Ihr seid wie meine Mini-Therapeuten und ich danke euch für eure lieben Kommentare und Nachrichten, die mich seit dem letzten Artikel bereits erreicht haben!

Danke!

Liebste Grüße,

Sandy

Wir Eltern haben so viel mehr Einfluss auf das seelische Wohlbefinden unserer Kinder, als wir uns vorstellen können.

Vergesst das nicht!

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